Sportunterricht ist eine Schule fürs Leben


Seit einiger Zeit sind solche Kinder auffällig oft auch bei uns anzutreffen. Im Zug kauen sie unentwegt oder saugen an einer Limoflasche, in der Pause stehen sie isoliert herum, spielen mit ihrem Handy und mampfen. Nun möchte man meinen, im Zeitalter der magersüchtigen Teens und Models seien dickliche Kinder Zeichen eines positiven, nicht von Mode und Werbung diktierten Selbstwertgefühls. Sagt nicht der Volksmund, gut gepolsterte Menschen seien umgänglicher, gemütlicher und zufriedener mit der Welt und ihrem Körper? Das stimmt, solange jemand eigenständig sein Recht auf eine gewisse Leibesfülle beansprucht und sich dabei wohlfühlt.  Der Schönheitsbegriff ist dem Zeitgeist unterworfen. Immer wieder klaffen Idealbild und Realität auseinander.

Wie nur bringt man die immer träger und korpulenter werdenden Kinder dazu, sich mehr zu bewegen und gesünder zu leben? Seit Jahren zermartern sich Experten über diese Frage den Kopf. Ein durchschlagendes Rezept hat indes noch niemand gefunden. Kaum ein Aktivitätsanreiz bringt die Kinder dazu, sich im Alltag tatsächlich mehr zu bewegen. Der Sportunterricht in der Schule allein wird leider an vielen Schulen eher als notwendiges Übel, als als Lebensschule betrachtet. Dabei wäre der Sportunterricht die Plattform um Kindern die Faszination des Sports zu vermitteln und Ihnen auf spielerischem Wege bei zu bringen in einem Team zu agieren. Nicht nur, dass Lehrpersonen auf Wanderungen verzichten, weil manche Kinder keinen Kilometer ohne Beschwerden gehen können, auch im Turnunterricht versagen die Schwergewichtler. Von ihren Kameraden gemieden und ausgelacht, vereinsamen sie und trösten sich mit Naschereien vor der Spielkonsole. Zum anderen ist der Sport natürlich auch nur die halbe Miete. Das Problem ist meist auch, dass die Kinder nicht wissen wie man sich gesund ernährt, da die Eltern es schon nicht wissen.

Bereits schlagen Ärzte, Gesundheitsbehörden, Sportler und Krankenkassen Alarm. Fettsucht bei Buben und Mädchen führt zu Diabetes, Kreislaufstörungen, Kurzatmigkeit und Gelenkschäden in einem Alter, in dem diese Krankheiten normalerweise nicht vorkommen dürften. Nicht zu reden von den psychischen Leiden der oftmals Gemobbten. Zudem, so warnen Mediziner, werde die Lebenserwartung der Heranwachsenden verkürzt. Von vielen Berufen sind sie von vornherein ausgeschlossen. Es sei denn, man hilft ihnen zu einer gesünderen Lebensweise. Vehement wird darum von der Schule mehr körperliche Bewegung und Ernährungskunde gefordert. Wieder einmal wird den Lehrpersonen der schwarze Peter zugeschoben. Das Elternhaus versagt, und die Schule muss die Versäumnisse aufarbeiten. Eigentlich sollte der Nachwuchs ja ein gesundes Ess-und Freizeitverhalten von den Eltern lernen. Der angeborene Bewegungsdrang wird aber zu oft schon früh gebremst durch eine kinderfeindliche Umgebung sowie durch die Babysitter Fernsehen und Computer. Der TV als Babysitter Eltern korpulenter Kinder sind häufig selbst übergewichtig, beruflich gestresst, vielfach unsportlich. Statt Treppen zu steigen, fahren sie Lift und bringen ihre Kinder im Auto zur Schule. Immer mehr Menschen entdecken ihre Liebe zur Kochkunst, wenn auch eher am TV-Bildschirm als am eigenen, heimischen Herd. In speziellen Kursen können Eltern und Kinder den Unterschied zwischen gehirnstärkendem Brainfood (Früchte, Gemüse, Tee) und den Geist lähmendem Fastfood (Pommes, Ketchup, Schnitzel, Cola) kennenlernen. Reiche Eltern bezahlen ihren Kindern Ballett-und Reitstunden, während jene, die wenig Geld haben und medizinisch schlecht informiert sind, eher dazu neigen, ihre Kleinen mit Knabberzeug vor dem Fernseher ruhigzustellen. Das sei aber nur am Rande erwähnt, denn elterliche Zuwendung ist keineswegs vom Geldbeutel abhängig, sondern vom persönlichen Einsatz. In manchen Familien wird schlicht falsch und zu viel gegessen. Nebst dieser ungesunden Gewohnheit kann Dauermampfen aber zur Sucht werden, besonders, wenn es zum Seelentröster verkommt. Ein Teil der dicken, einsamen Kinder verschanzt sich hinter einem Speckpanzer.

Fragen zum Sportunterricht


Unsere Tochter ist erst vier Jahre alt. Darf sie schon in den Sportunterricht?
Ja. Selbst intensive Bewegung hat in diesem Alter keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Ausserdem üben Kinder beim Sport ihre motorischen Fähigkeiten, was sich wiederum in einer positiven Einstellung zu körperlicher Aktivität auswirken kann.

Welche Art von Bewegung ist für Kinder am besten?
Jede Art von Bewegung ist gut. Je jünger die Kinder sind, desto spielerischer sollten die Aktivitäten sein. Auch ein Ausdauertraining kann in Form eines Spiels stattfinden – wie etwa Fangen und Versteckspielen. Als Krafttraining eignen sich Klettern, Sackhüpfen und das Werfen eines schweren Balls. Ganz speziell sollten die koordinativen Fähigkeiten geschult werden, z. B. vorwärts und rückwärts auf Baumstämmen balancieren und Ballspielen.

Mein Sohn ist elf Jahre alt und eher unsportlich. Er traut sich auch nicht, mitzuspielen in der Pause oder im Turnunterricht. Kann ich etwas tun?
Eigentlich ist es die Aufgabe der Lehrer, Ihren Jungen «im Team» zu integrieren. Vielleicht wäre ein Gespräch zwischen Eltern und Lehrer hilfreich. Und auch die Eltern können und sollen sich mit ihren Kindern bewegen. Sie können Ihren Jungen zudem in einem Sportverein seiner Wahl anmelden.

Unser Enkel schaut am liebsten fern oder spielt am Computer, statt mit anderen Kindern zu spielen. Wie viel ist verträglich?
Fachleute empfehlen, dass Primarschulkinder nicht mehr als eine Stunde pro Tag vor dem Fernseher oder Computer sitzen sollten. Man kann mit den Kindern eine Vereinbarung treffen: eine Stunde fernsehen oder am Computer sitzen, wenn sie sich eine Stunde bewegt haben.